Qigong

Dichter der Song-Dynastie (960-1279)

übersetzt von Árpád Romándy

Zhu Xi 朱熹 (1130-1200)

讀書有感

半畝方塘一鑑開
天光雲影共徘徊
問渠那得清如許
為有源頭活水來

Reflexionen beim Lesen

Viereckig der kleine Teich, ein offener Spiegel
den ziehenden Wolken und Lichtern des Tages.
Du fragst, woher solche Klarheit rührt?
Vom lebendigen Wasser, das aus der Quelle fließt.

昨夜江邊春水生
蒙衝巨艦一毛輕
向來枉費推移力
此日中流自在行

Gestern Nacht stieg die Frühlingsflut am Ufer des Flusses,
Kriegsschiffe, riesige Boote, auf einmal federleicht.
Sie früher zu rudern, vergeblicher Aufwand,
heute, inmitten der Strömung, schwimmen sie mühelos.


Su Shi 蘇軾 (1037-1101)

書鄢陵王主簿所畫折之

論畫以形似
見與兒童鄰
賦詩必此詩
定非知詩人
詩畫本一律
天工與清新
邊鸞雀寫生
趙昌花傳神
何如此兩幅
疏淡含精勻
誰言一點紅
解寄無邊春

Dem Sekretär Wang von Yanling auf zwei Bildrollen blühender Zweige geschrieben

Wer bei einem Bild nach Ähnlichkeit sucht,
zeigt die Auffassung eines Kindes.
Wer ein Gedicht genau nach Vorgabe schreibt,
hat sicher kein Wissen ums Dichten.
Dichten und Malen folgen einer Regel,
mühelose Gewandtheit und unverbrauchte Frische.
Bian Luans Spatzen sind wie lebendig,
Zhao Changs Blumen verströmen direkt ihren Geist.
Doch wie könnten sie diese zwei Rollen erreichen,
so wunderbar klar im kühnen Schwung der Striche!
Wie ist es nur möglich, dass ein Tupfen Rot
in sich den ganzen grenzenlosen Frühling trägt?


© Árpád Romándy